Mit viel Gespür für die feinen Töne

Glarner Nachrichten, MONTAG, 22. OKTOBER 2001, VON IRÈNE HUNOLD STRAUB

Brigitta Schrepfer aus Obstalden erhielt den Dr.-Anne-Marie-Schindler-Preis

Es ist ein Geschenk, wenn man Brigitta Schrepfer und ihren Mittänzerinnen zusehen darf. Das empfindet auch Anne-Marie Schindler, die Psychiaterin aus dem Welschland mit Glarner Wurzeln, so: Sie gründete vor Jahren die gleichnamige Stiftung, um Kulturschaffende mit Stipendien, Werkbeiträgen oder bei Weiterbildungen im Ausland zu unterstützen.

Nachdem sie am Freitagabend in der Aula Brigitta Schrepfer einmal mehr tanzen gesehen hatte, wurde sie darin bestätigt, den nach ihrer Stiftung benannten Dr.-Anne-Marie-Schindler- Preis an diese begabte Tänzerin und Choreografin verliehen zu haben. Unterstützt und beraten wurde die Stiftungsgründerin von Professor Peter Jenny. «Ich verfolgte stets Brigitta Schrepfers Schaffen, und ich darf feststellen: Man bemerkt sie», so Anne-Marie Schindler. Es sei schön, wie Brigitta Schrepfer mit Selbstbewusstsein und einer grossen Dosis Kreativität ihren Platz in der harten Kulturszene behaupte.

Beobachtungssinne geschult

Die halbstündige Kurzfassung von «Sie & Air» zeigte den Gästen in der Aula, dass Brigitta Schrepfer mit ihrer Company Somafon ihren ureigenen Stil gefunden hat. Die Beobachtungs- sinne sind aufs Feinste geschult und das Gespür für die feinen Töne überzeugend umgesetzt. Brigitta Schrepfer hatte vor neun Jahren die Company Somafon gegründet («Südostschweiz» vom 13. Oktober).

Köstlich, wie die Tänzerinnen versuchen, ein aufblasbares Sofa mit rhythmischen Pumpbewegungen mit Luft zu füllen – die Gestik, die Mimik und ihr zeitgenössischer Tanz. Das ist Genuss pur. Und das geht weiter in Bildern, mit Einfällen, die samt und sonders auf alltäglichen Geschichten beruhen und deshalb um so mehr faszinieren und glaubhaft sind, jedoch nie abgehoben wirken.

Geboren in den Bergen, tanzen in der Stadt

Die Tänzerin Anne-Sophie Fenner-Widmer, welche die Laudatio hielt, sprach von Brigitta Schrepfers Liebe zum Detail, von deren individuellen Bewegungssprache. «Ihre Geschichte zu erzählen, braucht eine besondere Sprache; die musste sie selber erfinden.» Und: «Es war wieder mal wunderschön, Dich tanzen zu sehen, Birigtta, zusammen mit Deinen Tänzerinnen.» Über den Werdegang der Tänzerin und Choreografin könnte man den Titel «Geboren und aufgewachsen in den Bergen, tanzen und leben in der Stadt» setzen. Denn Brigitta Schrepfer sei ein echtes Bergbauernkind, das auf einem abgelegenen Bauernhof in den Hüttenbergen oberhalb Obstaldens aufwuchs. Koordination habe Brigitte Schrepfer schon von früh auf gelernt: beim Heuen. Die Tänzerin erreiche, dass die Zuschauer jeweils selber beschwingt das Theater verlassen. Das aber kann nur dann geschehen, wenn der Tanz auf der Bühne den eigenen Bewegungsinstinkt wecke.