Musikalische Preisverleihung

Glarner Nachrichten, DIENSTAG, 23. FEBRUAR 1999, VON CLAUDIA KOCK MARTI

Feierliche Übergabe der kantonalen Kulturauszeichnung 1999 an Anne-Marie Schindler Chopping, Niklaus Meyer und Rudolf Aschmann.

Alle drei fördern durch ihr besonderes Engagement das Kunst- und Kulturschaffen im Kanton. Der Preisträgerin Anne-Marie Schindler Chopping sowie den Preisträgern Niklaus Meyer und Rudolf Aschmann wurde am Freitag in feierlichem Rahmen der Glarner Kulturpreis 1999 überreicht.

«Es gibt Gesetze zur staatlichen Kulturförderung, doch ist die Beziehung von Staat und Kultur zueinander zuweilen getrübt, wenn die Kulturschaffenden der Staatsseite vor allem Unverständnis oder umgekehrt die staatliche Seite den Kulturschaffenden fehlendes Volksempfinden zuschreiben.» Rudolf Gisler stand es an, als Landammann und als Kulturminister in Glarner Landen die vom Glarner Musikkollegium unter Leitung des Preisträgers Dr. Rudolf Aschmann und des Glarner Madrigalchors unter Leitung des Preisträgers Niklaus Meyer musikalisch umrahmte Feier zu eröffnen. Zum Glück müsse er am Festabend keine Auseinandersetzung über das wahre Kulturverständnis führen. Für die Ehrung der Preisträger 1999 sei der Kulturkommission die Beurteilung allerdings nicht schwer gefallen.

Dr. Anne-Marie Schindler Chopping werde insbesondere für ihre Unterstützung und Förderung von Kulturschaffenden in Ergänzung zur staatlichen Kulturförderung geehrt. Dr. Rudolf Aschmann erhalte die Auszeichnung als Gründer des Musikkollegiums, Musikpädagoge und Mitorganisator der Braunwalder Musikwochen sowie Niklaus Meyer für seine musikalischen Höhepunkte im Kanton, darunter seine bekannten Opernaufführungen.

Bewegte Frau und hoffentlich auch etwas Unruhe-Stifterin

Allein schon ihre Biographie zeige, dass sie es gewohnt ist, Grenzen zu überschreiten. Peter Jenny brachte in seiner Laudatio Anne-Marie Schindler Chopping, Ururenkelin des grossen liberalen Glarner Staatsmannes Dietrich Schindler, näher, die mit ihrer vor neun Jahren gegründeten Stiftung vom Genfersee her ein Stück weit wieder in den Kanton Glarus zurückkehrt.

Die in Zürich geborene Medizinerin habe auf dem Weg zu ihrer heutigen Tätigkeit als Psychotherapeutin bewegte Wanderjahre absolviert. Mit ihrer Stiftung verwandle sie heute Geld in Musik, Literatur, Malerei, Tanz oder in neues Wissen. Mit ihrer Unterstützung könnten begabte junge Menschen Berufe wählen, die man zu den Minderheiten zählen müsse. Damit betreibe sie also Minderheitenschutz. Sie sei eine Mäzenin im besten Sinne oder eine Bäuerin, die den kulturellen Acker im Glarnerland bearbeite. Ihr eigener Mut zur Kreativität erlaube es, die Kreativität anderer etwas früher einzuschätzen.

Dank Menschen wie Anne-Marie Schindler Chopping dürften junge Talente das unvollkommene Eigene wagen – ohne auch schon eine Erfolgsgarantie liefern zu müssen. «Wenn ich an die Talente denke, die dank Ihrer Stiftung Hilfe bekommen», so Peter Jenny weiter, «wird mir bewusst, dass Sie Leute unterstützen, die Fähigkeiten haben, Tabus zu brechen, eingefahrene Denk- und Wahrnehmungsmuster zu verletzen. Insofern sind Sie auch eine Unruhestifterin im besten Sinne des Wortes.»

Neuer Glarner Kulturpreis

Anne-Marie Schindler Chopping war sichtbar sehr gerührt von der Laudatio durch Peter Jenny. Sie fühle sich wie der «Petit Prince» auf seiner Reise zur Erde ins Rampenlicht geschneit. Um das Gleichgewicht für die Ehrung wiederherzustellen, machte sie zugleich bekannt, dass ihre Stiftung neu einen Kulturpreis, der mit 20 000 Franken dotiert sein wird, ins Leben rufen möchte. Dieser soll alle zwei Jahre aufgrund eines Wettbewerbes abwechselnd in den verschiedenen Sparten des Kulturschaffens vergeben werden.

Viel Erfolg!